60 Jahre Musikschule Kremsmünster


Seit Jahrhunderten ist Kremsmünster mit Musik und ihrer Ausübung eng verbunden. Mit der Gründung der Musikschule vor 60 Jahren wurde ein wichtiger Grundstein gelegt, um Kremsmünster als kulturelles Zentrum zu erhalten und auszubauen.

Durch das In-Kraft-Treten des Oö. Landesmusikschulgesetzes 1977 und den Bau des neuen Musikschulgebäudes 1984 finden unsere hoch qualifizierten und engagierten Lehrkräfte ein ideales Umfeld vor, um den SchülerInnen eine fundierte Ausbildung zu geben. In der Folge konnte die Musikschule Kremsmünster bald einen sehr guten Ruf in der Region erlangen.

Musikschule Kremsmünster - Der Weg zur Landesmusikschule

Erste Ansätze eines Musikschulbetriebes gibt es bereits in den Kriegsjahren 1943-1945. Initiator ist der Mathematik- und Musikprofessor Dr. Josef Bacher. Von einem kleinen Lehrerteam wird Unterricht in den Fächern Violine, Violoncello, Querflöte und Klavier erteilt.

10 Jahre nach Schließung der Kreismusikschule gelingt es dem damaligen Leiter des Volksbildungswerkes, OSR Josef Janda, Walter Pözlberger und FL Karl Kögler für den Wiederaufbau einer Musikschule zu gewinnen. Walter Pözlberger übernimmt die Leitung, die Administration und den Aufbau der Instrumentalklassen, FL Karl Kögler den Aufbau einer Singschule sowie die pädagogische und künstlerische Leitung eines Singkreises und Kinderchores.

Im Schuljahr 1954/55 wird der Unterricht in den Klassenräumen der Volks- und Hauptschule - zunächst ohne finanzielle Unterstützung der Gemeinde - abgehalten. Schon im folgenden Jahr überzeugt der Erfolg die zweifelnden Gemeinderäte von der Notwendigkeit einer Musikschule, und es werden mit Gemeindegeldern Noten und Instrumente angekauft.

Um von der Landesregierung mehr Subventionen für die Musikschule zu erhalten, bemüht sich der damalige Kulturreferent Dir. Johann Karlhuber, die Gemeinde zur Rechtsträgerschaft zu bewegen. Die Gemeinde willigt ein, behält sich aber das Recht vor, jederzeit widerrufen zu können. In dieser Zeit werden neben der Unterrichtstätigkeit unter manchmal schwierigsten Bedingungen zahlreiche Konzerte abgehalten. Im Juli 1964 legt Prof. Walter Pözlberger seine zehnjährige ehrenamtliche Tätigkeit als Musikschulleiter zurück. Der Unterricht wird ein Jahr lang in Form einer Privatlehrergemeinschaft fortgesetzt. Gleichzeitig tritt die Gemeinde an Dr. P. Alfons Mandorfer, Musikprofessor am Gymnasium Kremsmünster, heran, sich um die Wiederherstellung der Musikschule Kremsmünster zu kümmern. Er gewinnt 1965 Herrn Heinz Preiss (Absolvent des Brucknerkonservatoriums Linz) dafür, die provisorische Leitung ab dem Schuljahr 1965/66 zu übernehmen. Mit 1. Jänner 1966 wird die definitive Einstellung von Prof. Heinz Preiss rückwirkend beschlossen. Nach grundlegenden Renovierungsarbeiten zieht die Musikschule 1966 in die ehemalige Volksschule im Stift ein.

1970 wird die Musikschule gemeinsam mit dem Musikverein Kremsmünster über den Garagen des Feuerwehrzeughauses bzw. des Bauhofes eingerichtet. 1973 erfolgt die Erweiterung der Räumlichkeiten anlässlich des Zubaues für das Rote Kreuz.

Prof. Preiss erkennt sehr früh, dass die Erhaltung der Musikschule die Gemeinde finanziell überfordert, und regt in einem Schreiben an die Oö. Landesregierung vom 16. September 1966 an, für die Musikschulen in OÖ. eine einheitliche Organisation und gesicherte Finanzierung zu suchen. Mit der Übernahme des Kultur- und Finanzreferates durch LR Dr. Josef Ratzenböck beginnt ab 1973 eine intensive Phase der Neuorganisation des Oö. Landesmusikschulwerkes. Im Jahre 1977 wird mit den Stimmen aller drei Parteien des Oö. Landtages ein Musikschulgesetz für OÖ. beschlossen, das zu einem europaweit beachteten Ausbildungsmodell führt. In diesem Oö. Musikschulgesetz ist geregelt, dass die Personalkosten (Musikschullehrer) sowie 55% der Kosten für Instrumente vom Land getragen werden, während die Gemeinde für Unterrichtsräume, Betriebskosten und 45% der Kosten für Instrumente aufkommen muss. Das Schulgeld wird vom Land eingehoben und ist überall gleich hoch.

Als eine der ersten Gemeinden Oberösterreichs macht Kremsmünster von diesem Gesetz Gebrauch und bringt den Antrag ein, dass die Musikschule ab dem Schuljahr 1977/78 als »Landesmusikschule« übernommen wird. Da Dir. Heinz Preiss sehr viel Vorarbeit geleistet und beim Entstehen des Oö. Musikschulgesetzes maßgeblich mitgewirkt hat, wird ihm vom Landeshauptmann der Titel »Konsulent für Musikpflege« verliehen. Man betraut ihn auch mit der Leitung des neu geschaffenen Musikschulwerkes beim Amt der Oö. Landesregierung. Im Jahre 1980 wird Kons. Prof. Heinz Preiss zum Präsidenten der Europäischen Musikschulunion gewählt. Nach der 1977 erfolgten interimistischen Besetzung der Leiterstelle mit FL Herwig Strobl wird im April 1979 der Trompetenlehrer Johann Neubauer zum definitiven Leiter der Landesmusikschule Kremsmünster ernannt.

Obwohl im Herbst 1980 der Grundsatz-Beschluss gefasst wird, beim leerstehenden Kino eine neue Musikschule anzubauen, dauert es immerhin noch fünf Jahre, bis dieser Plan verwirklicht werden kann. Trotz schwieriger Unterrichtsbedingungen gelingt es auch während dieser Zeit, große Erfolge bei den Landes- und Bundeswettbewerben »Jugend musiziert« sowie bei den Bezirks- und Landeswettbewerben der oö. Musikschulen zu erreichen. Nach nur 12 Monaten Bauzeit kann im April 1985 die erste neu gebaute Landesmusikschule in OÖ. feierlich eröffnet werden.

Von der Landesmusikschule Kremsmünster werden auch die Zweigstellen Ried/Trk. (gegründet 1978), Wartberg/Kr. (gegründet 1980) und Pettenbach (gegründet 2000), die ebenfalls gewaltigen Aufschwung genommen haben, mitverwaltet.

Nach intensiven Verhandlungen mit dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Sport und nach Abschluss umfangreicher Vorarbeiten durch den Direktor des Oö. Landesmusikschulwerkes, Kons. Prof. Heinz Preiss, startet 1987 an der Landesmusikschule Kremsmünster das Projekt »Die Bedeutung der musikalischen Früherziehung für den Instrumentalunterricht«; mit der Projektleitung wird Frau Birgitt Urban betraut.

Seit dem Ankauf einer Pfeifenorgel 1987 vom Orgelbauer Kögler aus St. Florian bietet die Landesmusikschule Kremsmünster auch die idealen Voraussetzungen für eine Organistenausbildung. 1988 wird das Orchester der Landesmusikschule Kremsmünster gegründet, weiters wird das alte Kinogebäude saniert und zu einem Kulturzentrum umgewidmet. Für die Landesmusikschule bedeutet dies eine wesentliche Erweiterung der räumlichen Möglichkeiten. Dieser Saal wird nicht nur von der Musikschule für Konzerte und Projekte genützt, sondern steht allen Vereinen, die auf kulturellem Gebiet tätig sind, für Veranstaltungen verschiedenster Art zur Verfügung.

Das Projekt »Musik und Medien« unter der Leitung des Schlagzeuglehrers Josef Resl startet 2000 und wird im September 2004 in den Regelunterricht aufgenommen.

Nicht verschont wird die Landesmusikschule Kremsmünster vom Jahrhundert-Hochwasser am 12. August 2002. Der Kellerbereich ist zur Gänze betroffen und muss völlig neu saniert werden. Ab 13. August wird mit der Schlammbeseitigung und Räumung des gesamten Kellergeschosses begonnen. Großer Dank gebührt den Lehrkräften für ihre tatkräftige Mithilfe, den Bediensteten des Bauhofes und der Freiwilligen Feuerwehr von Kremsmünster sowie einer kleinen Abordnung des Bundesheeres. Mit Ende Jänner 2003 ist die Sanierung wieder vollständig abgeschlossen. Besonders hilfreich und notwendig war die Bereitstellung der benötigten finanziellen Mittel durch die Marktgemeinde Kremsmünster und das Land OÖ.

 

1983: Spatenstich zum Neubau der Landesmusikschule.

1985: Eröffnung der Landesmusikschule.

1988: Eröffnung der Zweigstelle in Wartberg/Kr.

1998: Eröffnung der Zweigstelle in Ried/Trk.

2000: Eröffnung der Zweigstelle in Pettenbach